Tausende Solarparks und Windkraftanlagen offen im Internet – warum das vermeidbar ist

Mehr als 8.500 Verwaltungssysteme europäischer Energieanlagen sind öffentlich im Internet erreichbar. Tim Stephan Schulze kommentiert den Bericht von heise online vom 9. Oktober 2026.

Mehrere Windkraftanlagen und große Solarfelder erstrecken sich unter blauem Himmel, was nachhaltige Energieerzeugung in einer modernen Landschaft zeigt.

Ein Router, eine öffentliche IP-Adresse – und jahrelang kümmert sich niemand mehr darum. Was nach einer längst überholten IT-Praxis klingt, ist offenbar noch immer Realität in Europas Energieinfrastruktur.

Wie heise online am 9. Oktober 2026 berichtet, haben Sicherheitsforscher mehr als 8.500 öffentlich erreichbare Verwaltungssysteme von Solar- und Windkraftanlagen in Europa identifiziert. Allein in Deutschland sind 884 Systeme betroffen. Einige der Schnittstellen ermöglichen nicht nur den Zugriff auf Betriebsdaten, sondern auch Eingriffe in die Steuerung der Anlagen.

Für Tim Stephan Schulze, Geschäftsführer von OIT.One, sind diese Ergebnisse vor allem Ausdruck jahrelanger Versäumnisse bei der Absicherung kritischer Infrastruktur. Zum Bericht von heise online erklärt er:

„Das eigentlich Erschreckende an diesen Zahlen ist, dass wir hier über ein Sicherheitsproblem sprechen, das seit Jahren bekannt und technisch längst vermeidbar ist. Solarparks wurden häufig mit einem Router und einer öffentlichen IP-Adresse ausgestattet, damit Techniker aus der Ferne zugreifen konnten. Einmal eingerichtet, blieben diese Strukturen oft über Jahre unverändert.

Dabei lässt sich dieses konkrete Problem durch eine andere Netzwerkarchitektur vermeiden. Bei einem Solarpark von Park Energy haben wir den Fernzugriff beispielsweise so umgestellt, dass die Verwaltungsdienste nicht mehr direkt über das öffentliche Internet erreichbar sind. Stattdessen baut die Anlage selbst eine verschlüsselte VPN-Verbindung zu einem zentralen Gateway auf. Techniker erhalten nur über einen autorisierten Zugang Zugriff.

Man kann sich das wie eine Telefonanlage vorstellen: Eine öffentliche Telefonnummer ist grundsätzlich von außen anwählbar. Eine interne Durchwahl dagegen ist nur innerhalb eines geschützten Netzwerks erreichbar. Nach diesem Prinzip funktioniert auch die Absicherung des Solarparks. Wer auf die Anlage zugreifen will, muss zunächst Zugang zum Netzwerk erhalten.

Allerdings ist damit nur der erste Schritt getan. Langfristig geht es darum, auch den Datenverkehr der Anlagen gezielt zu kontrollieren. Welche externen Dienste dürfen kommunizieren? Welche Verbindungen sind notwendig? Und wie lassen sich ungewöhnliche Aktivitäten frühzeitig erkennen?

Mit diesen Fragen beschäftigen wir uns auch bei der Entwicklung von Mesh Intelligence. Ziel ist es, Sicherheitsinformationen und die Kontrolle des Netzwerkverkehrs zentral zusammenzuführen, statt jede Anlage isoliert zu betrachten.

Die eigentliche Sicherheitslücke liegt häufig nicht in der Anlage selbst, sondern in der Art, wie sie mit dem Internet verbunden wurde.“

heise online

Tausende europäische Windanlagen und Solarparks offen im Internet
9. Oktober 2026.

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